Exkurs: Weinrallye #100

Weinrallye #100 -Eine nicht ganz kurze Geschichte über einen sehr alten Wein 



Was ist die Weinrallye?
Ins Leben gerufen hat die Weinrallye Thomas Lippert vom Winzerblog. An jedem letzten Freitag im Monat sind Wein- und Foodblogger aufgerufen, einen Blogbeitrag einem vorher festgelegten Thema zu widmen, Jeden Monat ist ein anderes Blog "Gastgeber",  richtet das Thema aus, erstellt eine Zusammenfassung aller Blogbeiträge, hilft bei Fragen und Problemen. Seit Oktober 2007 gibt es dieses wunderbare Blogevent - und jetzt zum 100. Mal. Happy Borthday, Weinrallye, tillykke med fødselsdagen!

Ein Fest, ein Fest ...

.. und wir sind mittendrin.

Liebe Rieslingfreunde,

von morgen abend an feiern wir mit Nachbarn und Freunden das 7. Martinsthaler Hauptstraßenfest.
Drei Tage lang öffnen wir Winzer, Gastronomen und Anlieger unsere Höfe, schenken Wein, Bier und selbstangesetzte Liköre aus, backen Waffeln, servieren Feuerwurst und Schwenksteaks, dazu gibt es tolle Livemusik.

Wir freuen uns auf alte und neue Freunde - wir stehen mit unserem Weinstand vor der Tür des (ehemaligen) Gasthauses zur Post und schenken unsere Weine aus. 
Hauptstraße 7, 65344 Martinsthal, Parkmöglichkeiten an der Feiuerwehr/Weinprobierstand (Navi: Lehrstraße) oder am Friedhof (Bäderstraße Richtung Bad Schwalbach, Abfahrt Rauenthal, nach 150 m links).

Skål!

Abgefackelt. FÅK.

Wir sind am Wochenende all unsere Weinberge abgefahren. Wir waren ja zur Zeit der großen Regenfälle und des wahnsinnigen Wachstums in Dänemark und konnten nur beten, das alles gut geht.

Wir haben also im Rheingau Enkersberg, Wülfen und Rothenberg gespritzt, Rothenberg gemäht, fast alles geheftet bzw. eingeflochten. Und haben aufgeatmet. Glück gehabt, riesengroßes Glück gehabt. Minimal Pero, hier und da Hagelschlag, fast kein Mehltau. Und jetzt soll es erst mal trocken bleiben.Hier ist noch alle drin, bis hin zur Topqualität.

Ganz anders am Mittelrhein. Da hat uns wirklich der Schlag getroffen, in jeder Hinsicht. Die Peronospora - der falsche Mehltau - hat mitten in der Blüte zugeschlagen. Weit mehr als die Hälfte der Gescheine, der Blütem, der Traubenansätze sind braun und verschrumpelt. Wo wir keine Pero-Schäden haben, verbreitet sich jetzt der Mehltau. Und die Laubwände sehen aus wie sonst nur spät im Herbst, wenn zum Schluss der Regen einsetzt und nicht mehr gespritzt werden darf.

Normalerweise bin ich bei uns die positiv Denkende, während Lars eher schwarz sieht. Dieses Mal ist es umgekehrt. Ich war Sonntag abend bei "Finger weg, wir vergeuden hier nur noch Zeit, lass uns noch ein, zweimal für die Optik mähen", während er meinte "Ach, da kommt schon noch was.". Für mich klingt das wie sehr lautes Pfeifen im sehr dunklen Keller. Ich habe keine Ahnung, ob und was wir da im Herbst ernten werden.

Am Mittelrhein werden unsere Flächen vom Hubschrauber gespritzt, konventionell, auf Bio mochten wir uns seit 2014 mit dem Wegfall des Mittels Frutogard nicht mehr verlassen, weil wir einfach nicht schnell und effizient reagieren können, wenn zusätzlich gespritzt werden muss - 35 Kilometer Anfahrt nach Feierabend.
Wir dachten diesmal erst an einen Irrtum im Spritzplan und haben darum gestern nachgefragt. Heute kam die Antwort - es sind alle Flächen gespritzt worden, aber es hat fast nichts genützt.
Bei den Nachbarn sieht es vielleicht teilweise ein bisschen ordentlicher aus, aber in Wirklichkeit kein bisschen besser. Abgefackelt.

2016, Du  bist ein Scheißjahr, in jeder Hinsicht.

Mit 'nem blauen Auge davon gekommen

Wir hatten viel vor. Haben eine neue Fläche in der Martinsthaler Wildsau übernommen, die auf den vorletzten Drücker geschnitten und gegertet, haben im strömenden Regen in der Martinsthaler Gemarkung RAK-Ampullen gehängt. Haben unser kleines Weingut wieder ein Stückchen weiter autark gemacht - dazu später mehr.

Haben neue Etiketten entworfen, gefüllt, Etiketten drucken lassen, wollten an der Mittelrheinweinmesse in Bacharach ausstellen, endlich mal wieder. Hatten einen ausgeklügelten Zeitplan, der Mähen, Grubbern und Spritzen und die anfallenden Laubarbeiten perfekt in eine Reihenfolge brachte. Und dann kam alles anders, wir haben noch grubbern lassen und unsere Flächen im Rheingau gespritzt und sind dann Knall auf Fall nach Dänemark gefahren.

Da saßen wir bei herrlichstem Frühsommerwetter und verfolgten mit Entsetzen die Wetternachrichten aus Deutschland. Hagelchaos in Wiesbaden, vernichtete Weinberge an der Mosel. Überschwemmungen, weggeschwemmte Dörfer, Hangrutsche. Angst und bange wurde einem dabei, aber allein - was tun?

Wieder zuhause fuhren wir unsere Flächen ab - die Hohlwege im Rauenthaler Berg waren mit dem Fox gerade noch befahrbar, aber die Rinnen, die das Regenwasser gerissen hatte, waren tief und schroff. Erleichterung: Die Hagelfront vom 27. Mai scheint sich beim Weg über den Rheingau geteilt zu haben. In Erbach kam noch was runter, Wülfen, Rothenberg und Wildsau haben nichts abgekriegt. Auch der Fürstenberg blieb verschont.

Aber Regen, Regen, Regen - und das bei Temperaturen um die 24 Grad. Unwetter an der Ahr und in der Eifel. Und gestern abend wieder Hitzegewitter und Hagel bei uns. Und wieder sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen - der Wülfen hat offenbar gar nichts abgekriegt, der Rothenberg nur partiell. 100 Meter von unseren Reihen entfernt hat es eine Parzelle im unteren Drittel regelrecht perforiert, die Blätter sind größtenteils angerissen oder sogar zerfetzt, aber wir haben kaum abgeknickte Triebspitzen gesehen. Die Weinbergswege nach Rauenthal hoch sind für unseren Wagen jetzt unpassierbar.

Mal schaun, wie es weiter geht.

Frühling lässt sein blaues Band ...

... ok, im Moment ist es noch ein bisschen schwer, daran zu glauben.
Aber immerhin haben wir heute einen ganzen Haufen blauleuchtender Weinbergstraubenhyazinthen in der Bitzengrub, einer unserer neuen Parzellen, entdeckt. Irgendjemand hat mir mal erzählt, dass diese Frühblüher bevorzugt in Weinbergen bzw. in ehemaligen Weinbergen, so auch am Hang der Burg Ludwigstein bei Witzenhausen in Nordhessen, wachsen. Vor mehreren hundert Jahren mag da mal ein Wingert gewesen sein, sicher eher mit Heunisch oder Elbling als mit Riesling, aber: immerhin.


Und sonst? Wir sind fertig mit dem Rebschnitt und haben mit dem Gerten/Binden begonnen. Nach Ostern dürften wir also komplett durch sein - wir liegen mal wieder gut in der Zeit.
Unser neuer Weinberg im Rödermann (links) hat uns einiges an Nerven gekostet, zum Glück haben wir den ziemlich am Anfang des Winters geschnitten, als wir noch alle Zeit der Welt (gefühlt) hatten.
Heilenzack! Da bekommt der Ausdruck "Verschnitt" eine ganz neue Bedeutung ..
 

Meine geliebte Einzelstockerziehung erlebt ihren letzten Frühling, Sommer und Herbst, das haben wir heute beschlossen. Im vergangenen Jahr hat der Wingert nach gutem Zureden wirklich noch einmal anständig getragen. Aber beim Schneiden haben wir jetzt gesehen, dass nur noch etwa jeder zweite Stock Potential für ein weiteres Jahr hat. Bei aller Liebe - das ist jenseits von gut und böse.
Und so werden wir im kommenden Winter zum ersten Mal eine unserer Flächen roden und in anderthalb Jahren zum ersten Mal eine Fläche neu anlegen.

Was bleibt? Die Weine! Bis auf eine Ausnahme liegen alle auf der Feinhefe, Mitte April wird filtriert, Anfang Mai gefüllt.
Sie schmecken jetzt schon sondersamt ... toll. Vom trockenen Einsteiger bis zur milden Spätlese. Wir sind gespannt, wie sie sich auf der Flasche präsentieren - aber ansonsten gerade wirklich sehr entspannt.


Support your local dealer



DAS nenne ich Service.
Am zweiten Januarwochenende - beim Rebschnitt im Weinberg - habe ich beschlossen, meiner Felco eine neue Klinge zu verpassen. Also vorgestern. Vorhin, Montagabend, fiel mir das wieder ein und ich schrieb - bevor ich es vergesse - dem Händler mV um 21.47 Uhr eine kurze Mail mit der Frage, ob er passende Klingen vorrätig habe und mir welche zurücklegen könnte. Um 22.09 Uhr die Antwort: Ja, hat er, ja, macht er.
Ein Laden in Bacharach ohne Website. Es gibt einen Grund, warum wir dort Tanks, Scheren, Bindedraht und 1000 andere wichtige Dinge kaufen.
Hoffentlich gibt es Eisen-Heisecke noch sehr, sehr lange.

Neues Jahr, neues Glück

Frohes Neues Jahr! Godt nytår!

Wir hoffen, Sie sind, Ihr seid gut reingekommen und wünschen allen ein schönes, gesundes, glückliches und friedliches neues Jahr.

Neues Jahr, neues Glück. Wir haben im vergangenen Jahr zwei Parzellen am Mittelrhein dazugekauft, eine in der "Pfälzer Grub", die in der Katasterrolle "Bitzengrub" heißt, und eine im Rödermann, fast direkt neben unserer bisher steilsten Lage unten im Oberdiebacher Fürstenberg.

Als der Vertrag spruchreif war, hatte der Vorpächter das Stück im Rödermann bereits geschnitten, daher haben wir ihm 2015 den Wingert zur Bewirtschaftung überlassen und erst jetzt übernommen.
Ein schöner, alter Weinberg, mit nahezu einwandfreiem Drahtrahmen, gesunden Stöcken, nicht allzu viel Unkraut und Dornen und einem, nun, kreativen Schnittsystem.




Das Ganze erinnert ein bisschen an die Frage, wie man einen Elefanten aus einem Marmorblock herausmeißelt.: "Einfach alles weghauen, was nicht nach Elefant aussieht". 
Nun ja. Die 7,5 Reihen waren eine echte Herausforderung, aber da wir sie zuerst (und wirklich früh) angepackt haben, ist jetzt alles ok. Es fehlen nur unsere Altflächen. 

3.600 Stock to go.