Neues Jahr, neuer Mut, mehr Mut zu Wermut


Nach dem ... Ihr wisst schon.

Das Jahr rast. Unsere 2017er sind seit Mai auf der Flasche, die 18er befinden sich auf der Zielgeraden.
Das vergangene Jahr war in jeder Hinsicht eine Herausforderung - der Herbst 2017 deprimierend klein, aber qualitativ richtig gut.

Unser Freund Lars Erdmann von der Destillerie Kohler in Stuttgart-Heumaden hat aus einem unserer gereiften Rieslinge einen feinen, eleganten Weinbrand gemacht - den "little crab". Seit Juni ist er im Verkauf - und wir sind allesamt mächtig stolz darauf.


Und was machen eine Winzerin und ein Brenner, die ohnehin eigentlich zu wenig Zeit haben, weil der 35-Stunden-Tag immer noch nicht erfunden ist? Richtig! Ein gemeinsames Projekt!
Weil Riesling, großartige Brände und Gin uns noch nicht genug waren, haben Lars und Christin ein neues Projekt gestartet. Die Idee: Einen einzigartigen Winzerwermut zu machen. Der widerspiegelt, wie wir sind, was uns bewegt, was wir mögen. Herz, Hand, Leidenschaft.
Ganz anders als das, was sonst auf dem Markt ist, feiner, eleganter, strahlender und trotzdem intensiv. 

Wir haben viele Wermute probiert, versucht, rauszufinden, was die Besten einzigartig macht. Welche Aromen zusammenspielen, welche Kräuter und Gewürze diese Komposition ergeben. Und haben dann angefangen, zu experimentieren. Am Küchentisch in Martinsthal, mit einer Flasche Riesling, Kräutern, Bränden und einer Apothekerwaage. Versuch Nummer 5 war nah dran an dem, was wir wollten. Hochgerechnet auf 10 Liter mit Kräuterzugabe im Gramm- statt Milligrammbereich – war klar: das ist der richtige Weg, jetzt muss feinjustiert werden. Ein bisschen mulmig war uns trotzdem, als wir dann die gesamte Menge Wein – knapp 500 Liter – auf einen Schlag mit Kräutern versetzt haben. Und umso erleichterter, als schnell klar war: Das ist es. 



Langer Rede kurzer Sinn: Aus dieser Liaison entstand der little crab-Winzer-Wermut. Dafür haben wir im Frühjahr 2018 die Jordan&Erdmann GbR gegründet.
Rheingauer Riesling, aromatisiert mit Stuttgarter Botanicals (vor allem Kamille und Wermut sowie ein Hauch Lavendel), sizilianischen vollreifen  Orangen, zu letzter Perfektion gebracht mit Destillaten aus dem Hause Kohler.
Warm und strahlend klar, mit einem Duft, bei dem man an laue Sommerabende denkt – ein außergewöhnlicher Apéritif.
Der im Übrigen ein perfektes Paar mit dem little crab–Gin abgibt. Ein Gin nach unserem Geschmack aus Weinbergshagebutten, Wacholder, Pfeffer und Riesling, ohne Zitrusfrüchte. 

Und sonst? Wir erwarten den frühesten Herbst, den wir je erlebt haben. Unsere  Weinberge haben den extrem heißen und trockenen Sommer hervorragend überstanden - es hängt viel, es hängt gesund, von Trockenstress keine Spur.
Jetzt geht es auf die Zielgerade. Wenn alles gut geht, lesen wir Ende September im Rheingau und Anfang Oktober am Mittelrhein.
Und wie immer gilt: Wer helfen möchte, ist herzlich eingeladen! 

 

Neues Jahr, neues Glück




Kalt ist es, saukalt, und das schon seit einer ganzen Weile. Unsere Basisweine sind durchgegoren bzw. da gelandet, wo wir sie haben wollten.

Die „großen“ – Rothenberg, Wülfen, Wildsau – brauchen noch ein bisschen Zeit und auch ein bisschen Wärme. Bei 8° Celsius im Keller passiert einfach nicht mehr viel.
 

 Ein bisschen Kerzenlicht soll helfen, damit sie wieder in Gang kommen – Kellerromantik eben ;-). In Ermangelung von Grabkerzen haben wir erst mal unsere restlichen Adventskranzstumpenkerzen aufgestellt. Und ja, das funktioniert.


  


In den Weinbergen geht es mit dem Rebschnitt nur langsam voran – wenn es gar zu kalt ist, gehen wir nicht schneiden. Aber wir liegen ja noch gut in der Zeit.









Es wird spannend, zu sehen, wie die perogeschädigten Stöcke am Mittelrhein sich in diesem Jahr machen – zum Teil müssen wir auf Zapfen zurückschneiden, leider. Aber es hilft ja nichts. Neues Jahr, neues Glück.  


Es herbstet ...

Wir sind auf der Zielgeraden.

Vergangenes Wochenende haben wir unseren Grauburgunder geholt. Ja, richtig, Grauburgunder, wir sind kein reines Rieslingweingut mehr. Aber keine Angst: Es handelt sich um eine Mikromenge.
Vier Reihen à 17 Stock, richtig alte Knorzen, die wir (hahahaha) auf Menge angeschnitten haben. Zu zweit haben wir in 2,5 Stunden immerhin ... äh ... drei volle Kisten gelesen. Kerngesund, kein Sonnenbrand, null Fäulnis, 90° Oechsle und 7,5 Säure. Und einen stolzen vollen 25-Liter-Ballon gefüllt. Tataa!


Und jetzt stellen wir uns mal vor, wir wären auf Mengenreduzierung gegangen ;-)

Dieses Jahr ist und bleibt speziell, sehr speziell. Unsere Rheingauer Rieslinganlagen hängen zwar nicht übermäßig voll, aber dafür perfekt. Sonntag ist der Wülfen dran, das Wochenende drauf holen wir den Rest. Wir hoffen auf etwas etwas wärmeres Wetter (aus purem Eigennutz), keinen Regen mehr und sonnige Tage. Drückt uns die Daumen.
Und wenn jemand noch Lust hat, ein paar Stunden mit zu lesen: Sagt Bescheid! Wir freuen uns!

Exkurs: Weinrallye #100

Weinrallye #100 -Eine nicht ganz kurze Geschichte über einen sehr alten Wein 



Was ist die Weinrallye?
Ins Leben gerufen hat die Weinrallye Thomas Lippert vom Winzerblog. An jedem letzten Freitag im Monat sind Wein- und Foodblogger aufgerufen, einen Blogbeitrag einem vorher festgelegten Thema zu widmen, Jeden Monat ist ein anderes Blog "Gastgeber",  richtet das Thema aus, erstellt eine Zusammenfassung aller Blogbeiträge, hilft bei Fragen und Problemen. Seit Oktober 2007 gibt es dieses wunderbare Blogevent - und jetzt zum 100. Mal. Happy Borthday, Weinrallye, tillykke med fødselsdagen!

Ein Fest, ein Fest ...

.. und wir sind mittendrin.

Liebe Rieslingfreunde,

von morgen abend an feiern wir mit Nachbarn und Freunden das 7. Martinsthaler Hauptstraßenfest.
Drei Tage lang öffnen wir Winzer, Gastronomen und Anlieger unsere Höfe, schenken Wein, Bier und selbstangesetzte Liköre aus, backen Waffeln, servieren Feuerwurst und Schwenksteaks, dazu gibt es tolle Livemusik.

Wir freuen uns auf alte und neue Freunde - wir stehen mit unserem Weinstand vor der Tür des (ehemaligen) Gasthauses zur Post und schenken unsere Weine aus. 
Hauptstraße 7, 65344 Martinsthal, Parkmöglichkeiten an der Feiuerwehr/Weinprobierstand (Navi: Lehrstraße) oder am Friedhof (Bäderstraße Richtung Bad Schwalbach, Abfahrt Rauenthal, nach 150 m links).

Skål!

Abgefackelt. FÅK.

Wir sind am Wochenende all unsere Weinberge abgefahren. Wir waren ja zur Zeit der großen Regenfälle und des wahnsinnigen Wachstums in Dänemark und konnten nur beten, das alles gut geht.

Wir haben also im Rheingau Enkersberg, Wülfen und Rothenberg gespritzt, Rothenberg gemäht, fast alles geheftet bzw. eingeflochten. Und haben aufgeatmet. Glück gehabt, riesengroßes Glück gehabt. Minimal Pero, hier und da Hagelschlag, fast kein Mehltau. Und jetzt soll es erst mal trocken bleiben.Hier ist noch alle drin, bis hin zur Topqualität.

Ganz anders am Mittelrhein. Da hat uns wirklich der Schlag getroffen, in jeder Hinsicht. Die Peronospora - der falsche Mehltau - hat mitten in der Blüte zugeschlagen. Weit mehr als die Hälfte der Gescheine, der Blütem, der Traubenansätze sind braun und verschrumpelt. Wo wir keine Pero-Schäden haben, verbreitet sich jetzt der Mehltau. Und die Laubwände sehen aus wie sonst nur spät im Herbst, wenn zum Schluss der Regen einsetzt und nicht mehr gespritzt werden darf.

Normalerweise bin ich bei uns die positiv Denkende, während Lars eher schwarz sieht. Dieses Mal ist es umgekehrt. Ich war Sonntag abend bei "Finger weg, wir vergeuden hier nur noch Zeit, lass uns noch ein, zweimal für die Optik mähen", während er meinte "Ach, da kommt schon noch was.". Für mich klingt das wie sehr lautes Pfeifen im sehr dunklen Keller. Ich habe keine Ahnung, ob und was wir da im Herbst ernten werden.

Am Mittelrhein werden unsere Flächen vom Hubschrauber gespritzt, konventionell, auf Bio mochten wir uns seit 2014 mit dem Wegfall des Mittels Frutogard nicht mehr verlassen, weil wir einfach nicht schnell und effizient reagieren können, wenn zusätzlich gespritzt werden muss - 35 Kilometer Anfahrt nach Feierabend.
Wir dachten diesmal erst an einen Irrtum im Spritzplan und haben darum gestern nachgefragt. Heute kam die Antwort - es sind alle Flächen gespritzt worden, aber es hat fast nichts genützt.
Bei den Nachbarn sieht es vielleicht teilweise ein bisschen ordentlicher aus, aber in Wirklichkeit kein bisschen besser. Abgefackelt.

2016, Du  bist ein Scheißjahr, in jeder Hinsicht.

Mit 'nem blauen Auge davon gekommen

Wir hatten viel vor. Haben eine neue Fläche in der Martinsthaler Wildsau übernommen, die auf den vorletzten Drücker geschnitten und gegertet, haben im strömenden Regen in der Martinsthaler Gemarkung RAK-Ampullen gehängt. Haben unser kleines Weingut wieder ein Stückchen weiter autark gemacht - dazu später mehr.

Haben neue Etiketten entworfen, gefüllt, Etiketten drucken lassen, wollten an der Mittelrheinweinmesse in Bacharach ausstellen, endlich mal wieder. Hatten einen ausgeklügelten Zeitplan, der Mähen, Grubbern und Spritzen und die anfallenden Laubarbeiten perfekt in eine Reihenfolge brachte. Und dann kam alles anders, wir haben noch grubbern lassen und unsere Flächen im Rheingau gespritzt und sind dann Knall auf Fall nach Dänemark gefahren.

Da saßen wir bei herrlichstem Frühsommerwetter und verfolgten mit Entsetzen die Wetternachrichten aus Deutschland. Hagelchaos in Wiesbaden, vernichtete Weinberge an der Mosel. Überschwemmungen, weggeschwemmte Dörfer, Hangrutsche. Angst und bange wurde einem dabei, aber allein - was tun?

Wieder zuhause fuhren wir unsere Flächen ab - die Hohlwege im Rauenthaler Berg waren mit dem Fox gerade noch befahrbar, aber die Rinnen, die das Regenwasser gerissen hatte, waren tief und schroff. Erleichterung: Die Hagelfront vom 27. Mai scheint sich beim Weg über den Rheingau geteilt zu haben. In Erbach kam noch was runter, Wülfen, Rothenberg und Wildsau haben nichts abgekriegt. Auch der Fürstenberg blieb verschont.

Aber Regen, Regen, Regen - und das bei Temperaturen um die 24 Grad. Unwetter an der Ahr und in der Eifel. Und gestern abend wieder Hitzegewitter und Hagel bei uns. Und wieder sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen - der Wülfen hat offenbar gar nichts abgekriegt, der Rothenberg nur partiell. 100 Meter von unseren Reihen entfernt hat es eine Parzelle im unteren Drittel regelrecht perforiert, die Blätter sind größtenteils angerissen oder sogar zerfetzt, aber wir haben kaum abgeknickte Triebspitzen gesehen. Die Weinbergswege nach Rauenthal hoch sind für unseren Wagen jetzt unpassierbar.

Mal schaun, wie es weiter geht.